Zyklus Was ist Aufklärung? (Sechs Abende)
Zyklus Geld
Erster Abend
Teilnehmer eMail
Weitere Abende (insgesamt sechs)
Zyklus Kredit und Credo (6 Abende)
Leo Allmanns Zehnerkarte zur Diskussion:
Was
ist Aufklärung?Sammlung war das Gebot des ersten Abends; hier eine etwas sortierte Aneinanderreihung der genannten Aspekte von Aufklärung
Aufklärung: Es werde Licht!
Licht und Dunkel:
Sonnenlicht, Licht des Verstandes, Licht des Geistes, Licht Gottes -
mit welchem wollen wir arbeiten?
Geschichte des Lichtsymbols: Von
Mythos zu Wissenschaft (Rationalisierung; Vernunft; Heraustreten aus
dem gefühlsmäßigen Verständnis). Aber auch
Dialektik der Aufklärung: Der 'Helle' kann in gewisser Weise
auch der Naivling sein.
Mir geht ein Licht auf, und dazu kommt
Nachprüfbarkeit. Hinter Aufklärung steckt: Vermutung eines
Zuwenig-Wissens: mich aufklären oder jemanden
aufklären.
Aufklären: Etwas unter einem
bestimmten Licht erscheinen lassen wollen. Belehren, indoktrinieren.
Mythos ist auch Aufklärung als Welterklärung; Aufklärung kann aber nicht heißen: Ersetzen eines Wissens durch ein anderes; sondern: Mich in Bezug bringen zur 'Vernunft' (nicht: Aufgehen in der Vernunft)
Aufklärung und Esoterik (geheimbündlerisch): Ist es
Aufklärung, wenn zwei etwas wissen? - Aufklärung setzt beim
Individuum an, aber sie ist nichts für Eliten. Werde hell! >
Wozu?
Muß Aufklärung gestattet werden? (z.B.:
Wahlzettel, den viele/manche nicht lesen können. -
Erklärungsangebot: X steht für Durchstreichen der
Stimme).
Verbrechensaufklärung. Frage nach den Wissenden und
der Autorität (Weißer-Kittel-Problem).
Der Typus des Aufklärers: Wie konkret darf ich mit
Empfehlungen sein, wenn ich jemanden zur Autonomie führen will?
Wer ist der Aufklärer, wen will er aufklären, mit welchem
Optimismus? (Bspl. Sokrates und sein Daimonium: Wissender jenseits
des Fachwissens).
Wie kann ich mich aufklären? Kriterium:
Sind sie daran interessiert, zu einer spezifischen Fragestellung eine
Lösung zu finden? Aufklärung individualisiert.
Aufklären
als Prozeß der 'Belehrung': A klärt B auf; sonst müßte
es heißen: Aufklaren. Aufklärung als Klima (zwischen
gleichberechtigten Partnern).
Zum Besser-Wissen gehört sodann auch ein Besser-Machen
Aufklärung an Inhalte binden: Aufklärung über Sinn
des Lebens, das Woher und Wohin als wesentliche Aufgaben (?)
These:
Man soll auf die Dichter-Aufklärer hören; überhaupt
seien die Künstler (Kunst von 'künden') Wissende aus dem
Geist/Bauch heraus - hier aber keine Möglichkeit des
Rechenschaft-Gebens. Kritische Anmerkung: Diese Sicht basiert auf
Kunstbegriff des 19. Jahrhunderts: Bürgerliches Kunstverständnis
der Kontemplation. Dagegen im 18. Jahrhundert (Epoche der
Aufklärung): Vollzug als Gespräch über Gelesenes,
erlebtes Theater ... Aufklärung im 18. Jahrhundert: Öffentliches
Gespräch unter Gleichberechtigten (> Habermas: rationaler
Diskurs); Aufklärung als Befreiung von Vorurteilen.
Sind wir so aufgeklärt, daß wir über die
unterschiedlichen Inhalte reden können?
Epochen der
Aufklärung sind auch Epochen der Ideologie - Gefahr des Krieges
über die Inhalte der jeweiligen Aufklärung.
Aufklärung
bringt zwangsläufig Verklärung mit sich: Aufpassen, nicht
die Epoche der Aufklärung im 18. Jahrhundert zu verklären;
gibt auch Aufklärung im 16., 17., 19., 20.
Jahrhundert.
Fortschreitender Prozeß, ja: Aufklärung
ist eigentlich Menschwerdung.
Aber auch: Aufklärung muß
wegen Verklärungsaspekt immer auch scheitern. Geht um Korrektive
im aufklärerischen Bemühen.
Kritische (?) Distanz zur Aufklärung: Wir haben mehr
Erkenntnis als gut tut.
Es scheint wichtig zu sein, aufgeklärt
zu sein: Aber dies vielleicht in Frage stellen: Warum Aufklärung?
Aufgeklärt sein heißt: Selbst durch Vernunft etwas
herausgefunden haben (sapere aude); Aufklärung sodann:
Anstiftung zum Gebrauch der eigenen Vernunft - Anstiftung zu
kritischer Auseinandersetzung mit anderen und mit mir selbst (Gefahr
der Indoktrination durch transitives Element in
Aufklärungsanspruch).
Aufklärung dabei als 'Versuch':
Richtigen Gebrauch der Vernunft erforschen. Dieser Aspekt steht gegen
ein Verständnis von Aufklärung als rationalistische
(dogmatische) Position.
Reflexionen auf Kant: Kants Kritik am
Rationalismus seiner Zeit.
Kritik an Kants Ausage: Angst vor dem
Heraustreten ist nicht selbstverschuldet; braucht Hilfestellung des
Auslösers, nicht des Aufklärers; wir werden nicht mit einem
Weltbild geboren, sondern erobern es uns.
Bedeutung der
Beziehungshaftigkeit des Menschen: Kind glaubt Antwort der Eltern,
derjenigen von jemand anderem womöglich nicht. Erziehungsaufgabe
bzgl. Aufklärung: Stützendes Dabeisein.
Problem ist
nicht: zum Denken führen, sondern: zwingend denken.
Mythologisches Bild der Höhle zwischen Himmel und Erde als Ort des Menschen; Aufklärung als Menschwerdung und Zurechtfinden in dieser Situation.
Kritische Betrachtung des Aufklärungsbegriffs: Einen
Gegenstandpunkt einnehmen oder aber das Denken als insgesamtes in
Anspruch nehmen, alles neu durchleuchten (-> Sloterdijks
'Sphären').
Problematik des Begriffs: Anspruch der Wahrheit
(?)
'Dialektik der Aufklärung': Anspruch der Aufklärung
schlägt in sein Gegenteil um.
Umdrehen des Licht-Bildes zur
Veränderung des Standortes: Das Dunkle ans Licht bringen -
Subjekt ist der Inhalt
Zusammenfassende Frage:
Wenn Aufklärung 'Heraustreten aus
dem Haus' heißt, wieviel konkrete 'Aufklärung'
inhaltlicher Art darf/kann ich leisten, um mitzuteilen, daß da
überhaupt eine Tür ist, wo sie sein könnte ...?
Ist der Philosoph der Aufklärer? (: Hätte er zumindest
in der Zeit der Industrialisierung verpaßt; Gegenrede:
Gewerkschaftsarbeit)
These: Mit Aufgeklärtsein macht man in
der Industrie keine Karriere.
Inhaltliches Beispiel: Aufklärung
ist die Informationsverbreitung, daß mittels Gentechnik das
Hungerproblem der Welt gelöst werden kann.
Wer ist an Aufklärung interessiert und wie soll sie ablaufen?
Hat das mit verantwortungsvollem Handeln zu tun?
Gegenfrage: Warum
hat der Vorstandsvorsitzende einer Firma Verantwortung für ...?
(Wirtschaft für Menschen?)
Zur Diskussion gestellt: Thesen der englischen
Aufklärung(sepoche):
Rede- und Denkfreiheit
Kritik der Religion
Wert des Verstandes und der
Wissenschaft
Einverständnis des sozialen
Fortschritts
Bedeutung des Individuums
Ehrliche
Erziehung
Zusatz Kant: Bedeutung der Ergebnisoffenheit des
Aufklärungsbemühens.
Kritik an den Thesen:
Inhaltsorientiertheit, ethisches Konzept.
These: Aufklärung primär als Reaktion; wohin das führen
soll, unter Umständen offen.
Ethischer Impetus der
Aufklärung: Leiden lindern (per Religionskritik)
Aufklärung und Ästhetik (Gottsched, Lessing) - Schiller:
Briefe zur ästhetischen Erziehung: Der Aufklärung fehle das
ästhetische Moment; Rationalismuskritik: Die Herzen sollen
erreicht werden.
Ästhetik dabei als Vehikel (Schiller:
Schaubühne als moralische Anstalt; Bedeutung des
Bildungsromans). Dadurch Verbindung zur Aufklärung als Bildung
(später Arbeiterbildungsvereine).
Marketing-Konzept der
Aufklärung aber vielleicht für uns nicht so interessant;
demgegenüber Aufklärung im Horizont von Aufdeckung von
Irrtümern und darauf aufbauendem Neuem.
Themenaspekt Aufklärung und Autorität; Aufklärung und Verführung. Inwieweit Aufklärung gegen Autoritäten arbeitet (und arbeiten 'darf') ist im Horizont der Aufklärung als Handlung gegen Vorurteile zu entscheiden.
Aufklärung als Wettstreit stellt Frage nach der Bestimmung
des Menschen. Brauche ich eine solche in Bezug auf Aufklärung?
Ist Aufklärung überhaupt an Inhalt gebunden?:
Schon die
einfache Frage kann Aufklärung sein, sie setzt einen Denkprozeß
in Gang. Die überprüfende Frage zu stellen, stimmt das?,
macht bereits ein Licht an.
Aufklärung muß (deshalb)
nicht an den Wissensbegriff gebunden sein, sondern ebenso als Zweifel
beginnen. Allerdings ist Kritik selbst eine bestimmte 'Wissensform'.
Aufklärung kann heute sein bezüglich einem 'großen' Thema das weitreichende gesellschaftliche Bedeutung impliziert (diskutiert an dem Beispiel der Rentenversicherung, die wohl zukünftig so nicht haltbar ist, worüber aber eine 'Mehrheit' nichts hören will), aber auch - und evtl. vor allem - als 'kleines' Thema in der Alltäglichkeit, wo alles überprüfbar, fragbar gemacht werden kann. (Bezüglich dem Thema der Rentenversicherung ist anzumerken, daß es nicht der Aufklärung über das Woher, Wieso, Wohin anzulasten ist, daß dieses Problem überhaupt besteht oder das viele nicht sich damit konfrontieren wollen.)
Als Problemaspekt stellte sich dar die "Normative Kraft des Faktischen". An ihr hat sich Aufklärung zu reiben. Hier kann immanent philosophische Situation entstehen: Nachdem Aufklärung begann als ein 'wir machen das', 'wir können das', gerät sie an dieser Bastion in Verlegenheit.
Muß sich Aufklärung mit einer Hoffnung (einer Utopie)
verbinden? Habermas, so wurde referiert, sieht Aufklärung als
Bruch zwischen Kultur (Expertenwissen) und Gesellschaft (die in
diesem Falle nicht mehr funktioniert): Es entsteht ein
Traditionsbruch, der durch die Utopie der Aufklärung 'gemildert'
werden soll. Dies funktioniere heute nicht mehr in der traditionellen
Form (des Fortschritts).
Demgegenüber wurde gefragt, ob nicht
das Herausstellen des Bruches mehr mit Aufklärung zu tun hätte,
aber auch, ob nicht vielleicht der Prozeß der Aufklärung
selbst sein Ziel findet, gar keine Utopie braucht.
Es wurde
kritisch befragt, ob denn der Fortschrittsbegriff hier und heute
tatsächlich keine solche Bedeutung mehr hätte, in den
Ländern der 2., 3., 4. Welt würde dies noch wesentliche
Rolle spielen. Fortschritt sei doch wesentlicher Ansatz von
Aufklärung.
Das Beispiel des arbeitslosen Lehrers, der nun
als Taxifahrer arbeitet, die Fakten seiner Zukunftschancen vor oder
während des Studiums nicht wahrgenommen, wurde kontrovers
diskutiert. Ist es nicht im Horizont favorisierter Aufklärung
sinnig, daß (auch) Taxifahrer einen möglichst hohen
'Bildungsstand' haben?
Die Abschlußfrage des letzten Abends nach dem Zusammenhang
von Aufklärung und Fortschritt wurde insgesamt positiv
beantwortet.
Aufklärung setzt 'Nebel' voraus. Zentraler
Aspekt der Selbstkorrekturfähigkeit.
Aufklärung ist
Theorie (Zerstückelung, Analyse); Aufklärung hat Impetus.
Eine andersartige Position wurde während der Diskussion immer
weiter 'abgearbeitet': "Der Aufklärer ist der Wissende",
er hat ein 'vorgefundenes' Wissen, eine Weisheit, die er den anderen
zu vermitteln versucht. (Wissen woher?:) Göttlicher Genius?
Allgemeiner: Intuitives Wissen. Auch: Überlieferung von Bildern
über Generationen.
Eine der Gegenpositionen fand sich in der
'Alltäglichkeit', dem Alltagsanspruch von Aufklärung: In
der Epoche der Aufklärung wendet sich Philosophie zum Aktuellen;
auch: Aufklärerische Fähigkeit der Kinderfragen,
Bürgerinitiativen.
Wieder: Aus besser wissen folgt (soll
folgen) besser handeln (z.B. Hygiene).
Aber: Abschaffung des Metaphysischen ist kein aufklärerischer Zug, sondern Hau-Ruck-Aufklärung. Triade Sinnlichkeit-Verstand-Übersinnliches; Bedeutung der Vermittlung; 'Glück der Fehlbarkeit'. Nicht zu Ende gehender Prozeß: "Solange man denkt, irrt man; Aufklärung ist Ausräumen von Irrtümern"; Bedenklichkeit.
Problematik des aufklärenden Lehrers in bezug auf 'intuitives
Wissen'; Bedeutung des Ergriffenseins für Lernprozeß.
Lehrer sind Episode in Prozeß der (Selbst-)Aufklärung.
Darf
von der Aufklärung nicht zu viel verlangen, aber: Redlichkeit,
Roß und Reiter zu benennen. Dennoch: Aufklärung kann nicht
sagen: Tu dies, tu jenes.
Durch Interview-Situation (Kronewiter, SZ): Aufklärung und
Journalismus: Betreibt der Aufklärung? Oder liefert er nur
Information? Aufklärung demgegenüber: Über Horizont
hinaus fragen (der 'Philosophie', der Sinnfrage vorbehalten).
Was
wäre Aufklärung ohne die Frage nach der Wahrheit? Zum
Aufklären gehört mehr das Denken als das Wissen.
Aufklärung
als besondere Form der Erklärung: Aufdecken, was bewußt
versteckt ist (z.B. auch : Sexuelle Aufklärung;
Verbrechensaufklärung) - Nachprüfbarkeit gegenüber
Mystifizierung.
Aufklärung als Vermittlung einer bestimmten Umgangsform /
Methodik. Aufklärung als Anregung zum Reflektieren.
These:
Fragen setzt bereits Aufklärung voraus. Fragender setzt sich mit
Fragen selbst in Frage: Sehe ich das da richtig?
These:
Rationalismus: Eine Form des Denkverbots im Namen der
Vernunft.
Aufklärung muß durchgestimmt sein für
'adäquate' Umsetzung im Handeln.
Problematik der Vernunft als
erstem Ideal der Aufklärung
Problematik der Aufklärung bezüglich konkreter Inhalte: An dieser Stelle entschied sich die Runde, nun das Experiment eines inhaltlichen Versuches zu machen: Wir wollen das zum Begriff Aufklärung Erarbeitete 'anwenden' an einem speziellen Thema. Als dieses Thema wurde gewählt: "Geld"
Zyklusthema GeldGeld als Reichtum oder Geld als 'Münzen'; Geld als Funktion; Geld als Generalnenner für menschliche (wirtschaftliche) Tätigkeit; Geld als Verrechnungseinheit. Geld als Medium, mediatisieren von Beziehung.
Wollten wir ein 'Lexikon des Geldes' verfassen, was für Aspekte müßten aufgeführt sein: Z.B. Wirtschaft, Handel, Besitz, Prestige, Macht ...
Bedeutung des Tausches: Tauschwert, Konvertierbarkeit,
Substituierung; Speicherfunktion
kein Gebrauchswert.
Vom
Münzwert zum Bankversprechen (Wertrepräsentanz und
Glaubwürdigkeit) (Historisch: Renaissance: Geldwesen als
Bankwesen)
Wertvereinbarung ist Geldvereinbarung - Geld ist kein
Wert, sondern Versprechen einer Macht (Garantie?) Der Substanz-Ersatz
bleibt Ersatz.
Für diese Diskussion: differenzieren und auseinanderhalten: 'Sein des Geldes' und Fragen: Was mache ich mit Geld? Was macht das Geld mit mir? Fragen zur Fehlentwicklung der Funktion des Geldes.
Geld zu positiv dargestellt? Bereich der Tätigkeiten ohne Entlohnungserwartungen.
vielleicht kannst Du ja mit den folgenden Definitionen etwas
anfangen.
Kapital (lat.: capitale = Hauptgut)
Geld (germ.: von gelten;
das was allgemein gilt)
Währung (mittelhochdeutsch: werunge =
Gewährleistung)
Kapital und Geld sind grundsätzlich voneinander zu
unterscheiden. Kapital kann in Geld umgewandelt werden und umgekehrt.
Kapital stellt unverbrauchte Kaufkraft dar, die in Gestalt von
Geld als Geldkapital und in Gestalt von Gütern als Realkapital
(Kapitalgüter, Produktivkapital) Verwendung findet. Das Kapital
dient der Erzeugung und Bereitstellung von Gütern.
Betriebswirtschaftlich wird Anlagekapital, Betriebskapital,
Eigenkapital und Fremdkapital unterschieden.
Geld ist im Unterschied von Kapital dazu bestimmt verbraucht zu
werden. Es stellt verbrauchbare Kaufkraft dar. Indem Geld verbraucht
wird, erfüllt das Geld seine wichtigste wirtschaftliche
Funktion: die Vermittlung des Gütertausches. Das Geld ist das
rechtlich vom Staat anerkannte Zahlungsmittel. Man unterscheidet
Münzgeld, Papiergeld und Buchgeld.
Unter Währung versteht man die Verfassung (Ordnung) des
Geldwesens eines Landes.
Die Geldmenge ist die Summe des Bargeldes und des Buchgeldes und
ist für die Stabilität des Geldwertes von Bedeutung. Wenn
der Geldwert stabil bleiben soll, muß die gesammte Geldmenge
der Warenmenge entsprechen. Da die Warenmenge nur in Preisen meßbar
ist, steht der Geldmenge die Preise der Waren gegenüber.
Der Geldwert hängt ab von der Geldmenge, der Kaufkraft und
der Umlaufgeschwindigkeit. (Die Umlaufgeschwindigkeit gibt an, wie
oft eine Geldeinheit zum Kauf von Waren herangezogen wird).
Die Bundesbank ist eine bundesunmittelbare juristische Person des
öffentlichen Rechtes. Sie wurde mit dem "Gesetz über
die Deutsche Bundesbank" 1957 gegründet. Die Aufgabe der
Bundesbank ist die Regelung des Geldumlaufes, die Kreditversorgung
der Wirtschaft und der Sicherung der Währung.

Vorgetragene Verständnisaspekte im philosophischen
Horizont:
Simmel (Philosophie des Geldes): Schlüsselbegriff
des modernen Kulturwesens.
Kant: Geld ist bloßes Mittel des
Handels, da es kein Nahrungsbedürfnis befriedigt.
M.
Stockhammer: Jeder Geldschein ist ein demokratischer Stimmzettel, der
dem Unternehmer ein Mandat zu einer bestimmten Produktion erteilt.
Die sozialistische Abschaffung des Geldes macht auch der Demokratie
ein Ende. Geld bzw. der sich in ihm ausdrückende Warenpreis ist
auch für die unentbehrliche Wirtschaftsrechnung notwendig, die
ohne Preistafel unmöglich ist.
Historisch: Geld stammt aus dem sacralen Bereich: Muß mir etwas wert sein, daß ich es als Tempelabgabe opfere (ethymologischer Zusammenhang Opfer-opera / Arbeit - Mühe, Anstrengung).
Zwei unterschiedliche Aspekte: Vollzug: zahlen, bezahlen vs. Gelten
Gibt es einen Wert von Substanzen an sich? Wohl nicht, wie am
Beispiel der 'Wertlosigkeit' von BSE-Rindern diskutiert wurde. Wie
kommt der Wert von Dingen zustande? Werte als Konvention; also
unabsolute Werte, die jedoch funktionieren. Offenbar sicherer Umgang
mit dieser Unsicherheit.
Der Wert als Konvention sei dann doch zu
hinterfragen, z.B.: Ist es in Ordnung, daß ein
Schönheitschirurg deutlich mehr verdient als ein
Kinderarzt?
Kritik des Marxismus: Dort Sehnsucht nach (absoluten)
Substanzwerten; Abschaffung der Subjektivität des Tauschwertes
'zugunsten' des Gebrauchswerts.
These: Geld ist die Macht, über die Dinge, die es
repräsentiert, verfügen zu können.
Macht und
Ohnmacht des Geldes: Gibt Dinge und Verhalte, die ich mit Geld nicht
kaufen kann. Das eventuell anzustrebende Auseinanderhalten von
kapitalorientierter Tätigkeit und freier Beschäftigung
kontrovers diskutiert.
Begriff 'Vermögen' (des Reichen; des Künstlers, des
Könners).
Geld ist Quantität, nicht zu verstehen im
Horizont von Qualität
Diskussion zu Quantität /
Qualität. Warum wehren wir uns nicht gegen Quantifizierung von
allem?
Habermas - Drei Gewalten: Geld (Regelung von anonymen Märkten), Macht (zwingende Bürokratie), Solidarität.
1. Was ist Geld? 2. Was macht es mit uns? Was machen wir mit ihm? (Können Phänomenologie und Kritik überhaupt so auseinandergehalten werden?)
Was ist Geld außer Warenströmen?
Dienstleistungsgesellschaft und Produktion.
Warenfetischismus;
erwartet von Geld, daß es mehr wird. Geldschöpfung vs.
Wertschöpfung
Geldfunktionen: Tauschfunktion; Wertaufbewahrungsfunktion (Möglichkeiten werden aufbewahrt); Maßstabsfunktion; (weitere Funktionen: Macht, Ansehen)
These: Am Geld hängt Gier, institutionalisiert als Zins (Geld
will zu Geld). "Geld frißt Leben" (nimmt wo was
weg).
Wirtschaft sollte ursprüngliche Aufgabe haben,
Gesellschaft zu versorgen; stattdessen: Versklavung in
Arbeitsverhältnissen, um Gewinne zu machen.
Neutralität des Geldes: Braucht 'nur' Geld, um etwas zu kaufen (Gegensatz DDR: Ständegesellschaft mit Bezugsrechtssystem). Was geschieht, wenn Brot nichts kostet? (Sowjetplan 1960) Entsteht Kontrolle: Was machen die Leute mit dem Brot?
Ob der Begriff des Geldes nicht mehr verschleiert als erhellt? Ablenkungsbegriff? Geld steht immer für etwas. Z.B. Einkommen nicht als abstrakte Summe, sondern zur Erfüllung von Lebenswünschen.
Mentalität des Geld-Ausgebens und des Schenkens passen nicht
zusammen (?)
Investieren (in etwas kleiden) in Materielles oder in
Ideeles.
Eigentum wird heute zumeist als Geld verstanden; kann heute (wahrscheinlich) von Grund und Boden alleine nicht mehr leben.
Geld als Dienstleistung: Als Tauschmittel zur Verfügung
stellen (von Zentralbank). Geld als zeitliche Entzerrung der
Tauschwirtschaft.
Geld als Tauschmittel kann nicht von Kapital
entzerrt werden (verliert seinen Wert)
Kapital: Grund und Boden; Arbeit; produziertes Kapital; Kapital als Umsetzungsmöglichkeit (Vermögen)
Zyklus Kredit
und CredoAngeregt durch die aktuelle öffentliche Diskussion zu Sloterdijks Rede in Elmau versuchten wir dem Thema KREDIT UND CREDO mittels 'Menschenbild-Inhalten' näher zu kommen:
Wieviel Kredit gebe ich einem Menschenbild, das nicht meinem Credo
entspricht? (> Frage nach den Verfahren und Möglichkeiten von
Aufklärung)
Die Diskussion entwickelte sich im Zuge des
Abends um den Kern: Vertrauen. Hierzu gehörte z.B. auch die
Frage (in Zusammenhang mit der Epoche der Auflärung: Voltaire):
Will ich dem Credo (in diesem Fall der institutionalisierten
Religion) noch Kredit geben?
Geht 'es' aber überhaupt ohne
Credo? - Das Credo der Aufklärung z.B. lautet wohl: Habe Mut,
Dich Deines Verstandes zu bedienen!
Das Credo der Aufklärung findet sich auch in einer anderen
Weise: Ist es prinzipiell möglich, eine Wahrheit zu
erkennen?
Dieser 'rote Faden' leitete uns durch den Abend, wobei
im Horizont von Kredit und Credo das Vorschuß-Geben im
Vertrauen ein zentrales Anliegen war. Die Welt schient überhaupt
erst in diesem Vertrauen zu tragen (konkreter Aspekt: Das
Versicherungswesen lebt vom mangelnden Vertrauen der Menschen).
Eine
These wurde kontrovers diskutiert: Vertrauen wird von äußeren
Einflüssen geprägt, ist nicht unbedingt.
Und zum Ende
hin eine ähnliche Fragestellung, wie am Abend zuvor: Wieso
braucht Aufklärung überhaupt ein Credo? Sind nicht die
wesentlicheren Fragen: Woran erweist sich ein Ergebnis von
Aufklärung? Was sind die Kriterien für eine Aussage: jetzt
bin ich aufgeklärt?
Der Aufklärungsbegriff rückte wiederum stärker in
den Vordergrund unserer Diskussion: Betreiben wir mit unserer Runde
selbst Aufklärung? Besinnung auf Aufklärung und Aufklärung
über Aufklärung.
These von der Janusköpfigkeit der
Aufklärung: Einerseits die Suche nach dem besseren Argument (dem
geben wir Kredit), andererseits das Ungenügen an dem besseren
Argument, das Nicht-stehen-bleiben-wollen beim jeweils Erreichten
(das macht das Credo aus).
Wiederum auch: Wo findet konkret
Aufklärung statt; Einklagen des Alltagsanspruchs.
Ausgangspunkt war eine Kritik am Zusammenfügen-Wollen von
Aufklärung und Credo: Aufklärung hätte doch eine
beunruhigende Komponente.
Gefragt wurde nach dem Kriterium für
Aufklärung: Dies sei die Tradition selbst, wenngleich Aufklärung
Traditionsbruch meint - wie es 'eigentlich' sein soll, zeige sich in
der Reflexion auf das bislang Entwickelte. (Dabei stelle die
Tradition keine Qualitätsentwicklung dar, sondern einen
Steinbruch von synchronen Jahrtausenden.)
Der Standort des
aufklärerischen Bemühens würde sich im Austausch der
Argumente ausweisen.
Aufklärung und kein Ende: Inwieweit steht unsere als
aufgeklärte Position vorgestellte Anschauung selbst im Verdacht
von Ideologie? Wagen wir es, uns aufgeklärte Personen zu nennen?
Wie schnell kommen wir an fundamentale 'Glaubenssätze'? Oder,
positiv formuliert: Soll Rationalität nicht selbst auf Werten
(über die man sich einigt, geeinigt hat)
aufbauen?
Bausch-und-Bogen-Statement hierzu: Erst haben wir die
Zeugen (die, die Zeugnis ablegen über das, was ist) abgeschafft,
dann ist die Rationalität gescheitert, und nun wollen wir Werte
produzieren!
Keiner behält jedoch die Oberhand, Aufklärung
ist argumentativer Streit
Der Wunsch, die Themen des Jahres - Aufklärung, Geld sowie Kredit und Credo - noch einmal in einen Zusammenhang zu bringen, brachte die Diskussion ein weiteres Mal auf die Beziehung von Aufklärung und Glaube (bzw. Credo). Aufklärung, so wurde gesagt, führe zu einem neuen Credo, reduziere sich nicht auf begründetes Wissen, beinhalte vielmehr eine konstruktive Energie, die auch emotionale, motivationale Momente einschließe - so betont Nietzsche in der Idee der "Umwertung aller Werte" das ästhetische Element der neuen moralischen Werte.
Das Stichwort des Glaubens nahm ein Beitrag auf, um ihn durch den moderneren, "wissenschaftstheoretischeren" Begriff der Fiktion zu ersetzen: Bereits Kant liefert mit der "Transzendentalen Ästhetik" in der "Kritik der Urteilskraft" ein Beispiel für ein "Als-Ob", das heute als ästhetisches Element im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens allgemein anerkannt ist. Dass Fiktionen - wie im Bereich der Wissenschaft - nicht nur aufklärungsfördernd sein können, betonte ein Beitrag, der die Bedeutung der Fiktion im mordernen Alltagsleben der allpräsenten Bilder herausstellte: diskurslose Bilder gewissermaßen, die - so wurde von anderer Seite präzisiert - die individuelle Imagination aufklärungsfeindlich zugunsten einer "gleichgeschalteten" sozialen Imagination aus Medienbildern verdränge.
Im folgenden trat mit dem Hinweis auf Diderots Encyclopédie die praktische Aufklärung ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Diderot liefert mit seinem Lexikon Antworten auf die Fragen einer Gesellschaft, in der sich die Selbstverständlichkeiten aufzulösen begannen: ein qualitatives Moment der historischen Aufklärung, wohingegen - so die These - Lexika heute nur noch quantifiziertes, "verdinglichtes" Wissen zur Verfügung stellen - Fragen des Umgangs mit Wissen, die im weiteren Verlauf auf das Problem der "Aufklärung heute" führten, dem möglichen "Tod" einer Aufklärung, die - so wurde angemerkt - in der Kulturgeschichte der Menschheit keine Breitenwirkung gehabt habe. Aufklärung als Rücksichtnahme auf die Würde des Menschen; Aufklärung als jeweils historisch lokalisierbare Bewegung, die mit konkreten sozialen Entwicklungen verbunden ist; Aufklärung als Form von Kritik, die mit anderen Kräften in ein "neues Mischungsverhältnis" eingetreten sei; Aufklärung als kritische Verhältinisbestimmung innerhalb eines "Ganzen", das - mit Hegel - immer noch "das Wahre" sei: Dies waren die Hauptgedanken, mit denen die Situation einer "entzauberten" Aufklärung in der modernen Gesellschaft umrissen wurde.
Am Schluß leitete der Hinweis auf die Sogwirkung einer Wirtschaft, die die Aufklärungsansprüche immer wieder aufsauge, zurück zu einem Zitat von Günter Grass, mit dem die Diskussion eröffnet worden war: Aufklärung tue gerade heute not.
Leo Allmanns 'Zehnerkarte' zur Diskussion:(1) Was ändert sich an Geschäftsbeziehungen bei
Kreditgeschäften? - Der Zeithorizont: Leistung sofort,
Gegenleistung später.
(2) Was für ein Verhältnis
ist das Gläubiger-Schuldner-Verhältnis? - Ein mit zweierlei
Risiko behaftetes: Der eine riskiert seinen Einsatz, der andere
seinen Ruf.
(3) Sind Kreditgeschäfte mehr durch Vertrauen
oder durch Misstrauen charakterisiert? - Durch Misstrauen wäre
ein Misskreditgeschäft charakterisiert.
(4) Ist Kontrolle
besser als Vertrauen (Lenin)? - In Vertrauen gründet die beste
"Kontrolliertheit", sprich: Lebensform.
(5) Wie
verhalten sich Glauben und Wissen zueinander? - Wir können nur
hypothetisch wissen, also nur "raten" (Popper), weil wir
letztlich nicht wissen, sondern nur glauben können, dass alles
mit rechten Dingen zugeht ("credo ut intelligam", Anselm
von Canterbury).
(6) Woran glaubt, wer nicht glaubt? - Diese
rhetorische Frage (Buchtitel, Gespräch zwischen Umberto Eco und
Kardinal Martini) setzt voraus, dass es keine Ungläubigen gibt,
sondern nur Andersgläubige. Dem stimme ich zu.
(7) Wie
verhalten sich Glaube und Aberglaube zueinander? - Aberglaube ist
irrational begründet, Glaube rational.
(8) Wie verhalten sich
Glauben und Meinen zueinander? - Eine Meinung ist eine beiläufige
Überzeugung, ein Glaube besteht in Grundüberzeugungen.
(9)
Wie viel Courage gehört zu einem (neuen oder alten) Credo
(beides von lat. "cor" = Herz, Gemüt)? - Das hängt
vom bestehenden Konsens ("concordia", Einmütigkeit)
ab.
(10) Welches Credo genießt gegenwärtig den größten
Kredit (im Sinne von Salonfähigkeit, nicht unbedingt von
Popularität)? - Das antimetaphysische der konkurrierenden
Endgestalten von Auf- und Abklärung.